Victoria

8. - 10. Februar Melbourne and Suburbs

Auf der M1 fahren wir mitten durch Melbourne hindurch. Von der Westgate Bridge haben wir einen Blick auf die Skyline. Erstmals in Australien stehen wir im Stau, bevor wir im Burnley Tunnel verschwinden. Unter dem Yarra River durch fahren und auf der anderen Flussseite wieder das Tageslicht erblicken. 

Weiter auf der Autobahn, trotz des hohen Verkehrsaufkommen sind die Australier alle gelassen beim Autofahren. Nach 40 Minute erreichen wir den Stadtteil Dandenong. Riesige Lagerhäuser und Firmen reihen sich hier aneinander. Dank Googlemaps finden wir das 4wdSupacentre. Hier können wir gegen Austausch unser neues Dachzelt abholen, bevor ich noch durch die Decke stürze. Da natürlich das alte Zelt noch auf dem Dach ist, muss dies zuerst runter. Das ist aber auf dem Areal hier nicht erlaubt, aus Sicherheitsgründen. Da sind sie ziemlich strikt, wen nicht zu sagen fanatisch. So biegen wir eben auf die nächstgelegene Nebenstrasse ab, lösen die Schrauben und fahren mit dem unbefestigten Dachzelt wieder aufs Firmenareal zurück. Scheint mir auch viel sicherer zu sein, aber egal…

Sie nehmen das Zelt entgegen und das verpackte neue Zelt machen wir auf dem Dachträger fest. Der nächste Camping ist zum Glück nur 5 Kilometer entfernt. Drei Stunden später ist das Zelt fertig montiert, die Bettwäsche frisch und wir beide haben uns ein Bier verdient. Es scheint ein neueres Modell als der Vorgänger zu sein und es hat einige Änderungen gegeben. Ob die eher positiv oder negativ sind, werden wir beim Gebrauch wohl feststellen. Eine neue selbstaufblasbare Matratze haben wir uns bei der Gelegenheit auch noch gegönnt. Auch da werden wir noch herausfinden ob diese besser ist als die Alte. Jetzt ist der Tag auch schon ziemlich gelaufen.

Wir sind gerade rechtzeitig aufgestanden um alles verpackt zu haben bevor der Regen einsetzt. Yannick findet die neue Matratze grossartig, während ich es noch sehr gewöhnungsbedürftig finde. Die meiste Luft ist zwar auf meiner Seite, macht es aber irgendwie nicht bequemer, eher unebener, so das die Füsse höher sind als der Kopf. Wir werden sehen…

Unterwegs zurück in Richtung der Millionenstadt machen wir Halt bei einem Einkaufszentrum. Wir füllen alle Vorräte auf für nach Tasmanien, ausser Früchte und Gemüse, ist nicht erlaubt diese mitzubringen. 

Der nächste Camping ist etwas näher am Stadtzentrum gelegen, trotzdem ist es noch nicht möglich zu Fuss los zu ziehen. Wir entschliessen uns die nähere Umgebung zu erkunden. Ein kleiner Fluss schlängelt sich durch einen schönen grünen Park. Im allgemeinen ist die Stadt extrem grün mit hübschen Vorgärten und vielen Bäumen. 

Wir durchstreifen den Vorort auf der Suche nach einem Kaffee und stossen auf einen kleinen asiatischen Markt. Eine chinesische River Band spielt, allerhand Essen wird verkauft und kleine Marktstände gibt es. 

Zurück auf dem Campingplatz, sind wir einige Kilometer gelaufen. Aber der Platz selbst ist nicht sehr einladend. Er ist gross, voll und wir haben den tollen Platz direkt neben der Toilette und dem Spielraum. Das heisst es ist laut, dafür wird es nicht langweilig. Der Camping ist voll von Schweizern und Deutschen. Viele sind hier um ebenfalls die Fähre nach Tasmanien zu nehmen.

Wir gehen morgens los um die Grossstadt zu erkunden. Mit dem Tram braucht es 40 Minuten bis wir das Zentrum erreichen. Wir steigen auf einer mit menschenüberfluteten Strasse aus. Sehen uns die Flinders Station an und die Hosier Lane mit den Graffitis. Überqueren den Yarra River und laufen zum Botanischen Garten. Weg von all den Leuten und Autos ist es ruhig und gemütlich in all dem Grün. Der Garten ist riesig und wir laufen eine Weile, auf der anderen Seite des Flusses ist der Olympia Park zu sehen. Bei einem grossen Kriegsdenkmal im Park hat man wieder Aussicht auf die Skyline von Melbourne und dort spielt eine kleine Blasmusik. 

Zurück im Trubel der Stadt besuchen wir einige Läden, treffen nochmals auf einen grossen chinesischen Markt wo das neue Jahr des Schweins gefeiert wird. 

Mit müden Füssen, nach einer langen Tramfahrt sind wir zurück im Camping. Bereiten alles vor um Morgen die ganztägige Fährüberfahrt nach Tasmanien zu überleben. 

Trotzdem finden wir noch Zeit ein Bier mit zwei Bernern zu trinken, es wird reichlich spät, vor allem weil wir morgen so früh aufstehen müssen.

 

2. - 7. Februar Great Ocean Road and more

Zurück auf dem Festland geht der normale Camperalltag weiter. Morgens wissen wir selten wo wir abends landen werden. Yannick fährt meistens während ich wenn nötig navigiere und uns auf der Karte oder einer mobilen Applikation mögliche Campingplätze aussuche. Jetzt da es langsam mehr Zivilisation gibt, geht der Radio auch wieder. Sonst haben wir viel Musik oder Höhrbücher dabei um die Stunden im Auto so kurzweilig wie möglich zu gestalten. Oft machen wir eine kurze Mittagspause und knabbern unsere Sandwiches.

Im grossen Victor Harbor angekommen müssen wir unsere Wasservorräte auffüllen und fahren danach auf einen Camping am Meer. Zuerst werden Tisch und Stühle aufgestellt, wenn nötig die Markise. Heute nicht, da es eher kühl und windig ist. Da wir gratis Internet hier haben, hängen beide eine Runde am iPhone, wollen wir doch auch auf dem Laufenden bleiben was zuhause so los ist. Das Dachzelt aufstellen ist Yannicks Aufgabe, da ich etwas zu kurz geraten bin und nur mit Mühe und Kletterübungen die nötigen Handgriffe erledigen kann. Kochen tun wir meistens zusammen. Dafür haben wir einen tollen Gaskocher mit zwei Brenner. Eine Bratpfanne und eine normale Pfanne reichen so. Grills stehen auch an vielen Orten zur Verfügung. Den Abwasch zu erledigen ist das Mühsamste. So gehen wir auch sparsam mit den Kochutensilien um. Beim wildcampieren benutzen wir die Dusche zum spülen, auf dem Campingplatz können wir dann wiedermal heiss abwaschen. 

Bei den Wetterkapriolen wünscht man sich manchmal ein richtiges Dach über dem Kopf, aber wir sind nicht schlecht eingerichtet. Langeweile haben wir so auch nie, es gibt immer was zu tun und sonst ergibt sich wenigstens mal die Gelegenheit in ein Buch zu schauen.

Von Victor Harbour, übrigens eine hübsche Stadt mit schönem Strand, geht es weiter nach Kingston SE. Es ist eine laaaange Fahrt und heute gelingt mir das navigieren so gar nicht. Dafür ist das Mittagessen gut. Ich habe eine Abkürzung verpasst (scheiss Googlemaps, hätte besser nach Karte navigiert) was uns einiges an mehr Kilometern aufbrummt. Irgendwann kommen wir doch in Kingston an und bleiben gleich zwei Nächte zum erholen! Es ist ein kleines Dorf am Meer, mit einem schmucken Leuchtturm und dem riesigen Lobster Larry! 

Das Dorfzentrum besteht aus einigen wenigen Restaurants, Hotels und Läden. 

Wie es der Zufall so will, treffen wir Berner, aus Wichtrach. Unterwegs sind sie mit einem leuchtend roten Toyota Land Cruiser inklusive Schweizerkreuz und Berner Nummernschilder. Über den Landweg hat er es bis nach Australien geschafft. Bewundernswert! 

Als wir Kingston verlassen geht es in Richtung Mount Gambier. Einer der letzten Orte vor dem nächsten Bundesstaat Victoria. Wir waren schon in Mount Gambier bei unserer letzten Australien Tour und wollen nur kurz nachschauen ob der Blue Lake noch immer die Farbe von Poweraid hat. Und tatsächlich sieht der See noch genauso aus wie in unserer Erinnerung. 

Wir wollen noch heute die Grenze zu Victoria überqueren und fahren weiter. Zu Mittag vernichten wir in einem Birchermüesli noch alle unsere Fruchtvorräte wegen der befürchteten Quarantäne. Aber nichts ist da, tja, war trotzdem lecker! 

Wir finden einen netten Camping mitten im Wald. Nach einem kurzen Spaziergang, Abendessen und einigen Yogaübungen gegen die üblen Verspannungen vom rumsitzen im Auto, kuscheln wir uns ins Dachzelt.

Früh auf und los gehts. Das Nächste ist der Anfang der Great Ocean Road. Auch die haben wir schon im 2013 befahren, machen die Strasse aber trotzdem nochmals. Auf dem Weg vom Wald zum Meer kreuzen wir einen schönen Fluss. Die ganze Umgebung ist in den letzten Kilometern immer grüner und frischer geworden. Die Flüsse sind nicht mehr ausgetrocknet wie es meist in Südaustralien der Fall war. 

In Peterborough kommen wir ans Meer, die Dörfer liegen nun näher aneinander und schon kommt Port Campbell, wie vor 6 Jahren machen wir einen Kaffestopp hier. Auffällig sind die grossen Massen an Touristen, vorwiegend aus Asien. Ob es am chinesischen Neujahr liegt können wir nicht sagen. Die Küste hat einiges zu bieten die Strasse führt über den Klippen am Meer entlang, hinauf auf bewaldete Hügel. Ich kann verstehen das dies viele Leute anzieht. Aber das hier hätten wir nun echt nicht erwartet. Bei den Aussichtspunkten steht man sich fast auf die Füsse, wartet 5 Minuten bis alle ihr Selfie gemacht haben bevor man überhaupt ein Foto machen kann. Der Parkplatz zu den Twelve Apostles ist überfüllt. An der Strasse sind Barrikaden errichtet damit man nicht am Strassenrand anhalten kann. Die Preise der Campingplätze sind unglaublich hoch und Motelzimmer hat es keine mehr frei. So lassen wir das mit den Aussichtspunkten nach den ersten drei sein, glücklicherweise waren wir ja schon mal hier.

In Apollo Bay finden wir einen zahlbaren schönen Camping direkt an einem Fluss. 

Ein ruhiger Platz, so das wir auch hier zwei Nächte bleiben. Das Dorf ist auch sehr Touristisch, aber eigentlich ganz nett. Die Brandung ist stark und lockt normalerweise auch viele Surfer an. Das Dorf ist umgeben von Hügeln an denen die Wolken hängengeblieben sind, von irgendwo her zieht auch Rauch hinein. Oberhalb von Melbourne und in Tasmanien gibt es zur Zeit Waldbrände. Während es hier regnet und stürmt. 

Am Morgen merkt man nichts mehr davon, es ist klar und schön. Ebenso die Weiterfahrt auf der Great Ocean Road. Eukalyptusbäume säumen die schöne Küstenstrasse mit den steilabfallenden Klippen. Das Meer glitzert golden in der Morgensonne. Die noch nassen Eukalypten duften herrlich, das glänzende satte Grün ist atemberaubend nach so viel Trockenheit und braunen Feldern. Auch hier entdecken wir einen Koala, er sieht noch immer durchnässt und ziemlich schläfrig aus. Am Ende der Touristenstrasse befinden sich bekannte Surferstrände. Die lange langsame Brandung in Torquay lädt auch viele zum surfen ein. In Breamlea am Meer, finden wir einen fast leeren Camping und bleiben. 

Yannick hat die Great Ocean Road nun schon dreimal befahren und ich zweimal. Eines mehr wird es wohl nicht mehr geben… In Breamlea waren wir das letzte Mal auch schon und finden sogar unseren etwas gewagten wildcamping den wir damals ausgesucht haben. 

Morgen geht es noch die letzten Kilometer nach Melbourne.